Sonntag, 21. August 2011

Der letzte Teil der Reise

... die Strecke von München mit dem Intercity nach Darmstadt. Um 11.22 war ich da. Pünktlich.

Samstag, 20. August 2011

Nachtzug

Ätzend. Nachtzug fahren ist immer ätzend.

Der Zug ging um 23.05 Uhr und hatte erstmal Verspätung. Ich hatte ein Schlafwagenabteil gebucht.

Als der Zug kam, musste ich erstmal.mit dem Fahrrad zum Fahrradabteil. Mein Schlafabteil und der Fahrradplatz sind in unterschiedlichen Wagen. Ich also dort hin.

Als ich.mit dem Fahrrad einstieg, musste ich erstmal über junge Leute steigen, die in Rom eingestiegen sind und es sich dort bequem gemacht hatten: in dem Wagen kann man auf dem Fußboden offenbar besser liegen, als in den Liegewagen...

Dann in mein Abteil. Das war soweit okay, aber schlafen war trotzdem schwierig, denn in Verona (1.00 Uhr) sind die nächsten mit viel Gepolter zugestiegen. Um um 5.30 Uhr hat mich der Schaffner auch schon wieder geweckt und um 6.30 Uhr war der Zug schließlich in München.



Un bici in un pub

Manchmal sind Sie ja kompliziert, die Italiener..

Auf meinem Streifzug durch die Seitenstraßen von Bologna auf der Suche nach was Essbarem, bin ich an einem RestoPub - einem Pub, wo man auch was essen konnte - hängengeblieben.

Das Lokal war wirklich wie ein Pub aufgemacht und sie hatten ein Buffet mit lauter tollen Sachen aufgebaut, das man von außen sehen konnte.

Nebenan war noch eine Pizzeria für Pizza zum Mitnehmen, die offensichtlich dazu gehörte: Sie war im gleichen Gebäude, hatte denselben Namen und einen Durchgang zum Pub.

Die Pizzeria hatte Stehtische draußen - perfekt für mich, denn so hatte ich das Fahrrad mitsamt Gepäck gut im Blick.

Ich also rein in die Pizzeria und gefragt, wie das mit dem Buffet funktioniert: kostet 5 EUR inklusive eines Getränks. Perfekt, dachte ich: das ist auch noch spottbillig.

Ja, ich müsse an der Bar bestellen und dann im Pub essen - nicht in der Pizzeria. Ich wendete ein, dass ich auf mein Fahrrad aufpassen müsse, und ob ich nicht einfach meinen Teller mit dem Essen vom Buffet an den Stehtisch der Pizzeria mitnehmen könnte?

Das löste viele Diskussionen aus - zeitweise waren vier Leute involviert. Zwei davon verstanden kaum englisch - also habe ich dann auch nochmal versucht, auf italienisch zu erklären, was ich will.

Weitere Diskussionen.

Ich war dann auch bereit, das Fahrrad einfach vor ein Fenster des Pubs zu stellen, damit ich es da im Blick habe, und wollte dies gerade vorschlagen, als die Bedienung sagte, ich solle ihr folgen - mit Bycicle!

Die Lösung war nun, dass mein Fahrrad mit ins Pub durfte und nun hinter mir stand, während ich von dem Buffet aß. Ich hatte einen Bärenhunger - und das war genau das Richtige.

Und so war mein Fahrrad auch mal in einem Pub!



Bologna

Geile Stadt. So bombastisch irgendwie.

Es gibt es wahnsinnig viele große Gebäude. Und beherrschendes Element sind die vielen Arkaden, die man fast in jeder Straße trifft.

Die Stadt wirkt wie aus einer anderen Zeit. Und die Stadt hat das, was ich in anderen Städten Italiens oft vermisse, aber in Spanien so lieben gelernt habe: einen zentralen Platz am Dom, wo sich alles trifft und wo man sich bis spät in die Nacht unterhält.

Das ist auch meine erste Anlaufstelle. Als ich ankomme spricht mich eine Frau aus Deutschland an und wir kommen ins Gespräch.

Sie erzählt mir davon, dass Sie in Italien in Jugendherbergen unterwegs ist (die in Bologna sei ganz schrecklich - die in Florenz hingegen sehr gut), und dass Sie in Neapel gestartet ist dann in Rom, Florenz und Pisa war und noch weiter nach Venedig möchte. Ich erzähle ihr von meiner Tour und wir tauschen Erfahrungen aus. Sehr nett.

Danach mache ich noch eine kleine Rundtour, suche mir was zu essen und mache mich schließlich auf zum Bahnhof, wo mich um 23.05 Uhr der Nachtzug erwartet.

Ich hab noch nie so viel getrunken wie heute

Das war ein Tag! - das Wasser ist nur so in mich reingeflossen.

Mal überlegen - wieviel war das heute:
- zwei Gläser Saft zum Frühstück: 0,5 l
- einen Cappuccino zum Frühstück: 0,25 l
- den Rest aus der Wasserflasche und vom Eistee von gestern: 0,4 l
- drei kleine Flaschen Wasser, die ich mitgenommen hatte: 1,5l
- drei Flaschen Powerade aus dem Alimentari: 1,5l
- zwei Flaschen Powerade aus der Bar an der Tankstelle: 1 l (unverschämt teuer)
- drei Flaschen Gatorade aus den Conad Supermarkt: 1,5 l
- zwei Flaschen Gatorade vom indischen Obsthändler: 1 l
- drei Flaschen Wasser und einen Eistee aus dem RestoPub: 1,75 l
- eine Flasche Energade aus dem Bahnhofsautomat: 0,5 l
- eine Flasche Wasser und einen Orangensaft im Nachtzug: 0,75 l

... macht zusammen 10,65 Liter. Ich fass es nicht!

Ich darf noch erwähnen, dass ich kaum auf dem Klo war - alles rausgeschwitzt...

46,8 Grad

... zeigt das Thermometer - zugegebenermaßen in der Sonne. Im Schatten dürften es so 38 Grad gewesen sein...

Rimini - Bologna. 135 km.

Eigentlich war für heute gar keine Tagesetappe mehr geplant: ich hatte zuerst vor, mit dem Zug von Rimini nach Bologna zu fahren, um dann dort abends um 11 den Nachtzug zu erreichen.

Dazu hätte ich aber tagsüber noch in Rimini bleiben müssen - in Rimini hatte ich aber eigentlich alles gesehen und so kam ich auf die Idee, die Strecke eventuell mit dem Fahrrad zu fahren - wohl wissend, dass dies ca.130 km sind und dass es knackig heiß werden würde: für den heutigen Tag waren 36 Grad und wolkenloser Himmel vorausgesagt. An der Küste spürt man das nicht so, aber je weiter man in das Landesinnere kommt, um so heißer (und windstiller) wird es.

Aber ich hatte einfach total Lust, noch eine Etappe zu fahren, und so ging es gleich morgens früh los.

Von Rimini ging es zunächst noch ein paar km an der Küste entlang, bis ich dann schließlich ins Landesinnere abbog und weitläufig der Via Emilia folgte (ich hab's mit den Römern :-)

Die Strecke war gut zu fahren, meist über Nebenstraßen und flach wie eine Scheibe.

Schon am morgen um 8 in Rimini zeigte das Thermometer 26 Grad, um 10 Uhr waren es dann schon 30.

Mir macht die Hitze nichts aus - im Gegenteil: ich finde es total klasse, in Flip-Flops und Shorts zu fahren uns das Gefühl zu haben, dass hier wirklich Sommer ist! Solange man fährt, kühlt der Fahrtwind, sobald man stehen bleibt, muss man Wasser nachfüllen. Siehe dazu den Extraeintrag im Blog.

Bis 13 Uhr ging das auch soweit gut - dann würde es aber auch für mich so unerträglich heiß, dass ich öfters mal eine Pause im Schatten einlegen musste.

Die Straßen und Ortschaften sind zwischen 13 und 17 Uhr wie leergefegt: kein Mensch auf der Straße.

Die große Ebene hat kaum Bäume. Die Häuser und der Asphalt sind um diese Zeit dermaßen aufgeheizt, dass man dass Gefühl hat, man geht an einem Saunaofen vorbei, wenn man an einem Haus in der Sonne vorbeigeht. Einfach Wahnsinn. Es hat schon seinen Grund, warum es eine Siesta gibt...

Ich bin in diesen paar Stunden immer ein oder zwei Orte weiter und hab dann wieder Pause gemacht. Bei fast jeder Möglichkeit habe ich wieder Getränke eingekauft. Ich glaube, ich habe noch nie an einem Tag so viel getrunken, wie heute.

Ab fünf wurde es dann wieder langsam besser. Ich näherte mich dann schon den Ausläufern von Bologna. Um 7 war ich dann dort und hatte noch gute drei Stunden, bis ich mich langsam auf den Weg zum Bahnhof machte.

Donnerstag, 18. August 2011

Radfahren in Italien

Alle Achtung: Italien macht sich langsam als Radfahrer-Land.

Als ich 1992 mit Uli den ersten Radurlaub hatte, der auch durch Italien ging, habe ich mir eigentlich geschworen, nie mehr durch Italien mit dem Rad zu fahren.

Wir sind damals aus der Schweiz kommend am Lago Maggiore entlang gefahren - und es war die Hölle: auf der rechten Seite der Fels, auf der linken Seite Autos und Busse, die an einem vorbei wollten, gehupt haben und dann einfach gefahren sind, nach dem Motto: Der Radfahrer wird schon Platz machen...

Das war nervlich so anstrengend und auch gefährlich - wir waren fix und fertig.

Damals hat niemand in Italien das Fahrrad zu Alltagszwecken genutzt. Das Fahrrad war ein Sportgerät - im Alltag hatte man ja das Auto oder so ein Knatterding. Dementsprechend sahen die Städte ja auch aus: zugeparkt, Abgase ohne Ende und selbst durch die kleinsten Gassen sind Sie noch mit dem Auto durch.

Mittlerweile ist dies in vielen Städten anders: das Fahrrad hat das Auto und die Knatterdinger verdrängt - viele Städte sind für den Autoverkehr gesperrt.

Die Italiener sind deshalb auf Fahrräder umgestiegen. Ältere Leute nutzen Elektrofahrräder, wie das abgebildete, und gleiten lautlos ohne zu treten in beachtlicher Geschwindigkeit an einem vorbei. Ein wirklicher Zugewinn für die Lebensqualität in den Innenstädten Italiens!

Radwege gibt es mittlerweile auch einige. Aber das ist noch eher ohne Konzept: es wird dort ein Radweg ausgeschildert, wo gerade Platz ist, also zum Beispiel von hier bis zur nächsten Kreuzung. Dann hört der Radweg wieder auf, dann beginnt er irgendwann wieder, usw. Außerdem ist es meist ein Hindernislauf: es stehen Mülltonnen oder Lampenmasten im Weg, oder der Radweg ist in schlechtem Zustand.

Aber immerhin: der Anfang ist gemacht!

Rimini...

Also: das, was ich zuletzt über Massentourismus in Rimini geschrieben habe, muss ich *ergänzen*, bzw. *korrigieren*...

Gestern Abend war ich an der Hauptstrandmeile. Und dort ist Rimini nun doch so, wie man sich den Massentourismus vorstellt...

Eine kilometerlange, schnurgerade Straße, an der sich ein Shop und Restaurant an das andere reiht und wo das Niveau dann doch nicht mehr ganz so hoch ist...

Schon die Busfahrt dorthin war ein Erlebnis: pubertierende Jugendliche gaben alles, um möglichst aufzufallen. Gestylt bis zum geht nicht mehr und Jungs und Mädels getrennt unterwegs - aber nicht ohne die üblichen Anzüglichkeiten von den Jungs an die Mädels und die entsprechend forschen Zurückweisungen von dort.

Als ich dann ausgestiegen war, wälzte ich mich mit der Menge vorbei an immer gleichen Shops, den Hotels und Restaurants.

Interessant war es trotzdem, mal stehenzubleiben und die Leute zu beobachten: ich mache ja gerne meine Sozialstudien... ;-)

Interessant war es, wie die fliegenden Andenkenverkäufer sofort verschwunden waren, als Polizei in Sicht war, um dann kurze Zeit darauf wieder zu erscheinen.

Interessant waren die Hütchenspieler und deren Geschicklichkeit, wo man selbst fast versucht war, mal zu rufen, "ich weiß, wo der Ball ist!", obwohl man weiß, dass man nur verlieren kann.

Publikum dort sind zum Großteil auch hier Italiener, aber auch einige Russen, ein paar Franzosen. Deutsche gibt es ganz wenige. Anscheinend ist der Ruf von Rimini nachhaltig negativ bei Deutschen besetzt.  

Nach zwei Stunden hatte ich genug. In einer rasanten Busfahrt ging es zurück. Der Busfahrer gab alles, um Radfahrern ohne Licht, Motorrollern, die gerade noch eben überholen mussten, und Fußgängern, die unvermittelt die Straße betraten, auszuweichen.

Ich war dann froh, als ich wieder im Hotel war.

Mittwoch, 17. August 2011

Rimini!

... und auch das ist Rimini:

Ein paar km weg vom Strand liegt die eigentliche Stadt Rimini, 130.000 Einwohner. Eine normale, italienische Stadt mit einem historischen Kern, guten Einkaufsmöglichkeiten abseits vom Ramsch, schönen Cafés und viel Flair.

Kurzum: eine sympathische Stadt, in der man sich durchaus wohlfühlen kann und die nichts mit dem Treiben am Meer zu tun hat.

Rimini??

Rimini?? - Ist das nicht Massentourismus? - Ja! Aber es ist trotzdem schön!

Ist das nicht da, wo unsere Eltern in den 50er und 60er Jahren schon hingefahren sind? - Ja! Aber es ist trotzdem schön!

Ist das nicht da, wo es einen Souvenirshop nach dem anderen gibt? - Ja! Aber es ist trotzdem schön!

Ist das nicht da, wo einem Schwarzafrikaner Tücher und Taschen verkaufen wollen? - Ja! Aber es ist trotzdem schön!

Ist das nicht da, wo die Ragazzi den blonden Frauen hinterhersteigen?  - Ja! Aber es ist trotzdem schön!

Ist das nicht da, wo im August alles besonders voll ist? - Ja! Aber es ist trotzdem schön!

Ist das nicht da, wo man 10 EUR für einen Lehrstuhl und Sonnenschirm bezahlen muss? -  Ja! Aber es ist trotzdem schön!


... und wie isses nun wirklich?

Aalso:

Ich bin in Rivabella, einen sozusagen Vorort von Rimini. Hier ist es etwas ruhiger. Das Publikum besteht zu über 90 Prozent aus Italienern, was ich sehr angenehm finde. Dann gibt es noch ein paar Franzosen, Deutsche so gut wie überhaupt nicht. In meinem Hotel bin ich der Einzige.

Es gibt eine Straße am Strand, auf der man am Abend auf- und abläuft, und die voll ist mit Souvenirläden, Cafés und Restaurants. Hier verkaufen dann tatsächlich Afrikaner irgendwelche Holzfiguren und Sonnenbrillen und Inder Fluggeschosse mit LED-Lampen.

Trotz alledem empfinde ich es nicht als ganz niveaulos: die Italiener haben eine gepflegte Esskultur - deshalb gibt es so gut wie keine Fastfood-Restaurants - wenn gegessen wird, dann auch im Urlaub richtig!

Auch gibt es - egal wo man hinkommt - gepflegte Umgangsformen: es gibt immer ein "Buona Sera" und ein "Arrivederci", und man wird immer freundlich bedient - im Gegensatz zu Spanien im Massentourismus zum Beispiel.

Kurzum: die Italiener legen Wert auf bestimmte Dinge - und die werden auch hier eingehalten.


Dienstag, 16. August 2011

Hotel Accademia

Wie toll: heute ist so ein Tag, wo alles klappt und wunderschön ist!

Das Hotel ist absolut Spitze!! : Die Leute hier sind total freundlich und nett und nehmen sich Zeit für mich. Das Hotel ist ganz neu, das Zimmer bestens. Das Hotel liegt in einer Seitenstraße, nur zwei Minuten zum Meer und trotzdem total ruhig.

Es ist relativ klein, vielleicht 25 Zimmer. Jedes hat einen kleinen Balkon, der total gemütlich ist Nichts von Massentourismus - ganz im Gegenteil!

Jetzt bin ich pappsatt. Ich hab hier im Hotel zu Abend gegessen - alles ganz lecker! - und drei Gläser Wein getrunken.

Nachher falle ich glücklich und zufrieden ins Bett. Ein schöner Tag, ein schöner Urlaub - besser kann es nicht sein!

Grazie, Italia!

Finalmente qui: Rimini!!

Ich bin da!! :-)

Ein bewegender Moment! Ich bin in den letzten zwei Wochen allein mit Muskelkraft von Deutschland über die Alpen und die Po-Ebene bis an die Adria gefahren! - Das macht schon stolz irgendwie!

Das war echt eine tolle Tour! - Sehr abwechslungsreich!

Gestartet in Deutschland im deutschen Sommer, mit der ständigen Gefahr im Hintergrund, demnächst nass zu werden, dann doch bei schönstem Wetter durchs Allgäu, an König Ludwigs Schloss vorbei, dann nach Österreich, bei glühender Hitze die Füße in den Lech gehalten, dann im Wald auf den Fernpass hoch, bei extremer Steigung und schlechten Wegen mit Geröll, danach eine rasante Abfahrt auf der vielbefahrenen Straße ins Tal, immer auf den Spuren der Römer, dem kommenden Gewitter gerade noch ausgewichen, Tiroler Spezialitäten genossen, bei leichtem Nieselregen durch das Inntal, inkl. ein paar Metern auf dem Jakobsweg. Ein ganzes Schwimmbad für mich alleine gehabt. Dann Richtung Reschenpass und Norbertshöhe, dabei ein paar Meter durch die Schweiz. Nette Bekanntschaft auf der Norbertshöhe gemacht, die bis Padua anhielt. Ab dem Reschenpass in den Vinschgau, nur noch  bergab, durch den Obstgarten Südtirol. Die grandiosen Alpen bewundert. In Meran im ersten Haus am Platz gewohnt, in Bozen im Arts-Hotel, Seilbahn gefahren und Erdpyramiden gesehen, dann im Schauer nass geworden, seit Trient aber nur noch Sonne gehabt. Eine der schönsten Etappen aller Zeiten durch das Brentatal gefahren, in der Brenta gebadet, dann bei 34 Grad durch die Po-Ebene, durch wahnsinnig tolle Kulturstädte Italiens wie Padua, Ferrara und Ravenna gefahren, große Kathedralen besichtigt, in kleinen Cafés gesessen - das italienische Flair genossen, die Freundlichkeit der Italiener schätzen gelernt und den Zauber der Natur erlebt.

Und noch vieles, vieles mehr. Es ist ein Glück, dass man das erleben darf!



Schilder

Da sag noch mal einer: nur in Deutschland gäbe es zu viele Schilder....

Ravenna - Rimini. 68 km.

Vor dieser Tagesetappe hätte ich ein bisschen Bammel.

Von Ravenna führt nur eine stark befahrene, teilweise vierspurige Staatsstraße Richtung Rimini. Und das kann der Horror sein, wenn man eingezwängt zwischen LKW und Leitplanke ohne Standstreifen seinen Weg finden muss, und dann noch ständig Gegenverkehr herrscht, so dass die Autofahrer hinter einem auch dann überholen, wenn eigentlich kein Platz mehr dafür ist. Dann rauscht schon mal ein Seitenspiegel bedenklich nah am Ellbogen vorbei... Auch wenn nichts passiert, so bedeutet das Stress: man muss den Lenker die ganzen Kilometer fest im Griff haben, auf jedes Schlagloch achten und darf sich keinen Fehler erlauben. Und die Italiener sind ja auch nicht gerade dafür bekannt, dass Sie Abstand halten...

Doch dann habe ich mir eine Alternative überlegt und eine Straße genommen, die zunächst wieder etwas ins Landesinnere führt, um dann später über kleinere Straßen zurück an die Küste zu kommen.

Das war ideal! Es war zwar immer noch einiges los - schließlich ist Hochsaison - aber es war gut machbar.

Dann der erste Blick aufs Meer: schon ein bewegender Moment: da ist sie, die Adria!

Die letzten 20 km ging es dann direkt an der Küste entlang - und das war dann so, wie man sich Rimini eben vorstellt: Hotels, Cafés und Shops, und dann wieder Hotels, Cafés und Shops, und so weiter.

Die einzelnen Orte sind ineinander gewachsen und unterscheiden sich nicht. Ich bin dann mal sehr auf Rimini-Innenstadt gespannt: dort soll es ja einen historischen Stadtkern und 'normale' Leute geben...



Montag, 15. August 2011

Ganz schön sonnig hier...



Ravenna

Hm. Von Ravenna hätte ich mir eigentlich mehr erwartet. Da hab ich schon interessantere Städte gesehen. Aber das ist sicherlich Jammern auf hohem Niveau.

Ein bisschen liegt es sicherlich daran, dass heute Feiertag ist und deshalb vergleichsweise wenig los ist. Aber es fehlen trotzdem ein bisschen die netten Cafés oder Restaurants - die sind nicht so zahlreich gesät.

Freilich gibt es einen schönen Platz in der Innenstadt mit einem Café und einem Restaurant - dann hört es aber langsam auf.

Es gibt auch einen Dom und einige Kirchen. Aber Kirchen habe ich auch nun schon zahlreiche gesehen (unvermeidbar in Italien).

Der Dom ist am Rande des Zentrums und ist umgeben von Straßen und einem langweiligen Vorplatz - nichts, was zum Verweilen einlädt.

Es gibt verhältnismäßig viele (herumlungernde) Araber. Die Parkbänke und die Bänke auf dem zentralen Platz sind meist von diesen belegt.

Das sonstige Publikum ist auch ein ganz anderes: ich habe die ersten Badeschlappen-Touristen gesichtet (das Meer ist nicht weit) und im Vergleich zu den Universitätsstädten Padua und Ferrara fehlen die vielen jungen Leute, die dort das Bild ein Stück weit geprägt haben.

Die Pizza hier (aus einer Schnellpizzeria) hat auch nicht geschmeckt. Jetzt gibt es aber noch ein Eis - da kann man nichts falsch machen. Gelaterias gibt es auch hier wie Sand am Meer - wie überall in Italien. Hm.... lecker! :-)

Valli di Comacchio



Exodus

Hier lang für die, die nicht mehr wollen.

Irgendwo im Nirgendwo



Ferrara - Ravenna. 88 km.

Vorletzte Tagesetappe.

Ich bin heute recht früh aufgestanden, denn ich hatte fast 90 km vor mir und wollte möglichst wenig in der Mittagshitze fahren. Ab 7 gab es Frühstück - ich also um kurz nach sieben meinen Kaffee getrunken und mein Müsli gegessen. Dann ab aufs Rad.

Die Strecke war diesmal sehr abwechslungsreich: zunächst ging es auf der 'Via del Corte Estense", der Straße der Grafen von Este, an alten Villen,Herrschaftshäusern und kleinen Burgen vorbei.

Die Straße war fast 25 km Allee und ging teilweise am Kanal entlang. Wirklich sehr schön. Die Allee minderte natürlich auch die Sonneneinstrahlung, so dass es auch von der Warte aus angenehm war.

Der zweite Teil war dann eher langweilig: hier ging es auf einem verlassenen Feldweg 15 km nur geradeaus.

Dann folgte der Höhepunkt: die Valli di Comacchio, ein Sumpf- und Naturschutzgebiet, das noch im weiteren Sinne zum Podelta gehört. Es ist ein Paradies für Vögel und Angler.

Eine ganze zeitlang bin ich auf einer Ministraße auf einem Damm gefahren: rechts der Fluss und links ausgedehnte Sumpflandschaften. Sehr interessant!

Sonntag, 14. August 2011

Ferrara

Schon wieder eine ganz tolle Stadt! - auf ihre eigene Art.

Ferrara ist die "citta delle biciclette" - die Stadt der Radfahrer. Von der Warte aus hat Sie natürlich bei mir schon Pluspunkte gesammelt ;-)

Der Reiseführer sagt, es gäbe hier 100.000 Fahrräder bei 140.000 Einwohnern. Und damit hätte Ferrara eine Fahrraddichte wie Amsterdam...

Ganz kann ich das nicht bestätigen, aber es gibt hier schon viele Fahrräder, und die alten Herren diskutieren das Weltgeschehen MIT ihrem Fahrrad an der Hand auf der Straße stehend. Für Italien ein ungewohntes Bild. Die gesamte Innenstadt ist zudem für den Autoverkehr gesperrt - auch nicht selbstverständlich...

Ansonsten gibt es hier eine große Burg und eine riesige Kathedrale, davor einen großen Platz, auf dem sich alles trifft - ab 6 natürlich. Vorher ist es viel zu heiß und es sind nur ein paar Touristen auf der Straße, die bis 17.00 Uhr in den Museen, z.B. in der Burg sein müssen, weil dann geschlossen ist.

Morgen ist Ferragosto - bei uns Maria Himmelfahrt. Großer Feiertag hier. Die Geschäfte sind geschlossen, die Straßen schon geschmückt. Bin mal gespannt, was ich davon mitbekomme...



Rovigo - Ferrara. 50 km

Ein weiterer Tag durch die Ebene.

Heute ist Sonntag. Nichts los auf den Straßen.

Ich fahre kleine und kleinste Nebenstraßen. Gleiches Wetter wie gestern und vorgestern: Höchsttemperatur 34 Grad, keine Wolke am Himmel. Fast windstill.

Auf den kleinen Straßen sonnen sich Eidechsen und Blindschleichen, die dann im Gras verschwinden, sobald Sie mich hören.

Abwechslung gibt es an dem auf den Bild gezeigten Kanal: eigentlich ist dieser nur für die Bewässerung der angrenzenden Felder gedacht. Wenn man aber genauer hinsieht, dann wimmelt es dort von Leben: ich habe mehrere Fischreiher, die dazugehörigen Fische, sowohl groß, als auch in kleiner Ausführung als Schwarm gesehen. Außerdem Enten und andere Wasservögel.

Lachen musste ich, als drei Bisams (oder so was ähnliches) gemächlich in meine Richtung schwammen - und dann, als Sie mich kommen hörten, für etwa eine Minute untertauchten, um dann an einer vollkommen anderen Stelle wieder aufzutauchen...

Samstag, 13. August 2011

Abendessen



Rovigo

Hm. Kleinstadt. Sonst gibt es nicht viel zu erzählen.

Es gibt einen Dom - für deutsche Verhältnisse viel zu groß für diese Stadt, wie immer in Italien -, ein paar Palazzi, eine Burgruine - und den Herrn auf dem Bild, der bald aus seinem Rahmen fällt. Das war's.

Ganz nett, aber nichts Besonderes.

Reserviert für kleine Kondome.

... oder was heißt das übersetzt??

Halteverbot. Auch für Fußgänger.

Noch ein Verkehrszeichen der besonderen Art... ;-)

Padua - Rovigo. 57 km.

Glühende Hitze.

Als ich gegen halb neun auf das Fahrrad steige, sind es schon 24 Grad. Jetzt am Nachmittag um die 35. Das Pflaster und die Steine sind aufgeheizt.

Ich denke an Cole Porters "Kiss me Kate" und pfeife "It's too darn hot" - "Es ist viel zu heiß" vor mich hin. Spielt das nicht sogar in Padua?? - Gut gewählt!

Angesichts dessen wirkt das Schild mit den Schneeketten ziemlich deplatziert: es ist kaum zu glauben, dass es hier jemals schneien wird, und erst recht nicht, dass es hier jemals *so* schneien wird, dass man Schneeketten braucht - zumal es sich bei dem "Berg" vor mir um einen Hügel handelt: es geht von ungefähr 85 m über dem Meer auf etwa 150 m. Wahnsinn! Wahrscheinlich müssen die Menschen in der flachen Po-Ebene einfach rechtzeitig gewarnt werden, vor Jahrhundertwintern oder ähnlichem ... ;-)

Trotz alledem: mir macht die Hitze nichts aus: es ist das schöne Gefühl, dass hier richtig Sommer ist! - Ich fahre in Flipflops, Shorts und T-Shirts. Während der Fahrt habe ich Luftkühlung, sobald ich stehen bleibe Wasserkühlung.

Sonnenmilch tut ihr übriges - ich bin braun wie ein Italiener. Nur stehen bleiben darf man nicht zu lange, erst recht nicht in der Sonne.

Padua hat mir gut gefallen, besonders die überall freundlichen Leute. Auch heute auf der Fahrt spricht mich die Frau der Tankstelle, bei der ich mein Wasser kaufe, darauf an, wo ich herkomme, wo ich hin will und "was? Das Ganze 'con bici'??"

Sie wünscht mir eine gute Reise, schöne Ferien und eine schöne "Ferragosto".
Einfach sehr nett. Und sie war nicht die einzige. An einer deutschen Tankstelle, wo man von einer lustlosen Aushilfskraft das Wechselgeld hingeknallt bekommt, undenkbar!


Freitag, 12. August 2011

Jochen und Barbara

Echt lustig!

Ich hatte ja schon vorher mal erwähnt, dass ich schon auf der Norbertshöhe - also vor über einer Woche - ein Paar getroffen habe, die zwar im Prinzip die selbe Strecke gefahren sind, aber im Detail dann doch anders: Sie übernachten auf dem Campingplatz, ich im Hotel, sie außerhalb, ich eher mitten in der Stadt, sie übernachten teilweise an anderen Orten und fahren teilweise andere Routen...

... und trotzdem haben wir uns heute schon zum vierten Mal wiedergetroffen: nach der Norbertshöhe in Prad am Stilfser Joch, in Meran, vor Bozen, und jetzt in Padua.

Zufälle gibt's! Echt lustig!



Blick von der Rialto-Brücke auf den Canale Grande

... im Moment wegen des hohen Touristenaufkommens leider gerade nicht zu sehen. ;-)

Venezia

Heute mein Ausflug von Padua nach Venedig.

Gegen 10 ging es in Padua mit dem Zug los. Fahrzeit: ca. 40 Minuten. Alles Touristen an Bord.

In Venedig liegt der Bahnhof schon in der Stadt, das heißt: man kommt aus dem Bahnhof raus und steht direkt vorm Canale Grande - das freilich erst, nachdem man die zahlreichen Schlangen überwunden hat: es gibt eine Schlange, um vom Bahnsteig herunter zu kommen, eine um aus dem Bahnhof rauszukommen, eine für die Toilette und eine an der Touristeninformation. Die letzten beiden umgehe ich.

Als ich draußen bin, mein erster Eindruck: Wie in Indien! - Was für ein Gewusel! Überall Leute! Hier noch eine Schlange für Leute, die Tickets für die Bootsbusse haben wollen, hier eine für ein Bootstaxi und hier für den zweiten Schalter der Touristinfo.

Auf dem Canale Grande das gleiche Bild: Boote ohne Ende. Bootsbusse, Bootstaxis, Transportboote, private Boote - und Gondeln. Die muss es natürlich auch geben...

Ich schaue mir das Treiben erst mal an (wie alle anderen auch) und stelle mich auf die Brücke über den Canale Grande. Und ich muss sagen: die Faszination dieser Stadt ergreift mich - trotz des Gewusels. Wie die farbigen Häuser so im Wasser liegen, das Wasser mit den Booten, der Sonnenschein, der blaue Himmel - das hat schon was!

Wenn man eine ruhige Stelle gefunden hat, wo man den Rummel nicht so hört und die Phantasie etwas spielen lässt, fühlt man sich zurückversetzt in einen Sophia Loren-Film der 50er Jahre...

Ich habe eine ungenaue Karte und mache mich damit auf. Zwei Ziele habe ich (wie wahrscheinlich alle anderen auch): den Marcusplatz und die Rialto-Brücke. Was sonst.

Ich richte mich nach dem ungefähren Weg, wie es aus meiner Sicht richtig ist, komme an vielen kleinen Kanälen und einigen Plätzen vorbei und stelle fest, dass es tatsächlich Straßen in Venedig gibt, in denen man vollkommen alleine ist. Das ändert sich allerdings schlagartig wieder, je näher ich zum Marcusplatz komme. Die Dichte der Souvenirläden und Japaner je m2 nimmt zu, das Klicken der Kameras ebenfalls.

Schließlich komme ich zum Marcusplatz: schon sehr beeindruckend, wenngleich auch nicht so viel zu sehen ist vor lauter Menschen. Den Besuch der Basilika schenke ich mir auch: Schlange.

Nach einiger Zeit mache ich mich dann auf zur Rialto-Brücke. Jetzt nehme ich den ausgeschilderten Weg. In der Herde gehe ich nun durch Gassen, über Brücken und Plätze. Schließlich liegt Sie vor mir: die Rialto-Brücke.

Hier ist natürlich der Teufel los. Die Brücke liegt aber auch an einer der schönsten Stellen des Canale Grande!

Die Brücke selbst habe ich anders in Erinnerung: ich wusste nicht, dass auf der Brücke Geschäfte sind - war das schon immer so??

Ich sitze und beobachte noch eine Zeit und mache mich schließlich auf den Heimweg. In einem überfüllten Zug erreiche ich Padua - und bin ganz froh, wieder hier zu sein. Das Thermometer zeigt 34 Grad.

Ich nehme einen Kaffee im nächstgelegenen Café, zwei Bedienungen sind sehr hilfsbereit und erklären mir bereitwillig die verschiedenen Kaffeesorten und süßen Teilchen. Was ist Padua doch so angenehm ruhig... ;-)

Trotz allem: der Ausflug hat sich gelohnt. Venedig ist eine Reise Wert!

Donnerstag, 11. August 2011

Padua: Piazza sei Signori



Padua

Hauptattraktion ist das Grab des heiligen Antonius in der gleichnamigen Basilika. Hier wird ziemlich viel Rummel darum gemacht: es gibt einen vorgeschrieben Weg durch die Basilika, am Eingang wird man mit "No photo!" begrüßt, der Zugang zum Grab ist Rollstuhl geeignet, und der Höhepunkt ist dann die Sammlung von Reliquien des Antonius bis hin zu seiner nicht verwesenden Zunge (!) und seinem Unterkiefer.

Der Rundgang geht weiter zu den Beichtstühlen und endet dann natürlich im basilikaeigenen Giftshop. Am Ausgang und in der Umgebung warten dann zahlreiche weitere Andenkenverkäufer und -geschäfte, wo man alles kaufen kann, was das Herz in diesem Zusammenhang begehrt: Christusstatuen, Madonnenbilder, bis hin zum Aschenbecher mit Papstmotiv. Und bei dieser Gelegenheit gibt es auch solarbetriebene Gondeln (Venedig ist nicht weit), die ständig hin- und herschaukeln. Für nur 8 Euro. Echt ein Schnäppchen! Weitere Kommentare verkneife ich mir...

Ansonsten ist Padua eine 'normale' italienische Großstadt, mit vielen historischen Bauten in der Innenstadt, viel Leben auf den Plätzen und viel Flair. Absolut eine Reise Wert!

Ich bin hier zwei Nächte: morgen hab ich frei vom Radfahren und mache *eventuell* einen Ausflug nach Venedig mit dem Zug (45 Minuten). Wenn ich morgen noch Lust auf solarbetriebene Gondeln und anderen Kitsch habe.



Besser gehts kaum :-)



Nicola heiratet!

Solche mit blauen Schleifen geschmückten Häuser habe ich heute ein paar Mal gesehen!

Bassano del Grappa - Padua. 60 km.

Die große Ebene liegt vor mir: flaches Land. Kein einziger Hügel. Ich bin im Land von Don Camillo und Peppone!

Naja. Nicht ganz: das war schon noch ein bisschen weiter westlich. Aber so ähnlich ist es hier auch: überall Landwirtschaft, es knallt die Sonne von oben, jeder auch noch so kleine Ort hat eine große Kirche und die Kirchtürme sind die höchsten Erhebungen weit und breit. In den Bars an der Straße oder der Piazza sitzen die alten Herren und diskutieren das Weltgeschehen. Und die Frauen halten beim Einkaufen ein Schwätzchen hier und ein Schwätzchen dort. Und spätestens um halb eins ist kein Mensch mehr auf der Straße: Siesta.

Heute sind Maisfelder das vorherrschende Bild. Das ganze Land ist von Gräben durchzogen, die die Bewässerung sicherstellen.

Es ist heiß. Keine Wolke am Himmel. Etwa 28 Grad. Aber eine angenehme Hitze. Nicht schwül.



Mittwoch, 10. August 2011

Grappa etc.



Abendessen, zweiter Gang

Seezunge. Ebenfalls sehr lecker.

Jetzt bin ich pappsatt. Der Espresso ist ausgetrunken, der Rotwein ebenfalls - heute Abend falle ich glücklich und zufrieden ins Bett.

Abendessen, erster Gang

Linguini al Salmone. Sehr lecker.

Der Hotelier hat mir dieses Restaurant empfohlen: wirklich sehr gut! Es ist proppenvoll, überall um mich herum schnitten es auf italienisch. Die Ober haben alle Hände voll zu tun.
Rechts von mir und einen Tisch weiter sitzen anscheinend Angestellte der italienischen Staatsbahnen: haben alle die gleiche Uniform an.

Oben im Saal sitzt eine Schulklasse: sicher 30 Schüler zwischen 10 und 12.

Bassano del Grappa

Wow! Was für eine schöne Stadt! - Heute weiß ich gar nicht, welches Bild ich in den Blog stellen soll: es gibt so viele...

Bassano ist ein malerisches Städtchen von vielleicht 25.000 Einwohnern und liegt an der Brenta.

Hauptattraktion ist eine überdachte Holzbrücke über die Brenta. Außerdem gibt es einen Dom und eine Burg. Aber das Flair dieser Stadt kommt von den Menschen, den schicken mediteranen Häuschen und dem Leben und Treiben auf dem zentralen Platz.

Als ich in Bassano ankomme, ist Fiesta. Erst später erwacht das Leben in der Stadt.

Ich sehe, das sich einige Leute auf einer Art Wehr der Brenta sonnen und beschließe, es ihnen gleich zu tun. Das ist genial: die Brenta ist nicht sehr tief und es gibt zwischen den Felsen quasi natürliche 'Whirl Pools', in die man sich reinlegen kann. Glasklares Wasser. Phantastisch! Ich könnte den ganzen Tag hier bleiben!

Danach gehe ich in die Stadt. Eine ganze Weile sitze ich auf dem Domplatz und schaue ich einfach zu. Das Leben in Italien ist einfach was Tolles - da braucht es nicht viel mehr!



Via Claudia Augusta


Das ist eines der letzten Schilder der Via Claudia Augusta: bis hierhin bin ich auf der alten Römerstraße gefahren. Von Augsburg bis hier habe ich 8 1/2 Tage gebraucht - die Römer haben ohne die Technik von heute und ohne asphaltierte Straßen vermutlich sehr viel länger gebraucht.

Dennoch meine Hochachtung davor, dass es vor 2.000 Jahren überhaupt möglich war, eine solche Straße über die Alpen zu bauen. Respekt!

Die Straße geht nun weiter über die Berge nach Venedig - ich hingegen biege hier ab Richtung Padua.

Roncegno Terme - Bassano del Grappa. 65 km.

Also: die Strecke heute war echt der Hammer - so was von abwechslungsreich - einfach phantastisch! Ich bin selten so eine schöne Tour gefahren - die stellt vieles in den Hintergrund, was ich bisher gesehen habe!

Am frühen Morgen ging es los. Wieder ein Tag mit phantastischen Wetter: strahlend blauer Himmel, klare Luft, keine Wolke, und die Sonne kommt so langsam über die Berge und wirft tolle Schatten.

Das Tal ist zunächst noch breit und es gibt viel Landwirtschaft. Im Laufe der Fahrt wird es sehr viel wilder und unberührter: der Radweg schlängelt sich durch unberührte Natur, über Wiesen, an Biotopen vorbei, durch Wälder...

In der zweiten Hälfte wird das Tal enger, die Brenta wird zum reisenden Fluss. Es geht durch eine Schlucht, durch die sich Straße, Eisenbahn und Radweg zwängen müssen...

Danach öffnet sich das Tal wieder und wird total mediteran: hätte man das Tal bis hier optisch den Alpen zugeordnet, so könnte es nun auch irgendwo in den Apeninnen sein. Einfach klasse!

Ich nehme einen Cappuccino und einen Toast als Mittagessen in einer "Bar Nationale".

Viele Radfahrer kommen mir entgegen - aber diejenigen auf den Carbonmaschinen, mit Trikot, Sonnenbrille und verzerrtem Gesicht, auf der Jagd nach der Bestzeit, die nicht grüßen.

Auf der Brenta üben Kajakfahrer, was zu tun ist, wenn man in der Stromschnelle kentert.

Mein Höhennesser zeigt nur noch 150 Höhenmeter und optisch sieht es noch so aus, wie als wäre ich noch mitten drin - doch da, hinter der nächsten Straßenkurve kommt es: das Ende der Alpen!

Relativ plötzlich hören die Berge einfach auf, und vor mir liegt nun plattes Land: die Poebene! Meine Alpenüberquerung habe ich nun wirklich hinter mir!



Hotel Angiolina

Über das Hotel der letzten Nacht muss ich noch ein Wort verlieren. Das war skuril irgendwie..

Das Hotel ist recht groß, hat drei Etagen mit schätzungsweise 48 Zimmern. Es gibt ein großes Schild mit "Parkhotel" und "Beauty Center" ;-)

Als ich reinkam, war alles ziemlich kitschig eingerichtet: Kronleuchter hier, Lampen in Blumenform dort, Blümchen hier, Figuren dort, usw. Es passt auch alles ganz gut zusammen. Auf seine Art...

Als ich ankam fragte ich wie immer zunächst, ob noch ein Zimmer frei sei und ob ich es mal sehen könne. Die Dame des Hauses - ca.60 und passend zur Einrichtung - zeigte mir ein Zimmer (das auch völlig in Ordnung war), meinte dann aber, Sie würde mir eines geben, das genauso wie dieses wäre, aber mit getrennten Betten.

Als wir wieder an der Rezeption waren, suchte sie nach dem Schlüssel für Zimmer 109, fand ihn aber nicht. Dann rief sie ihre Tochter: "Wo ist der Schlüssel für 109?" - "Weiß ich doch nicht!" - "Aber er muss doch hier irgendwo sein!?" - "Weiß ich doch nicht!!" (alles in italienisch natürlich...)

Schließlich gab sie mir dann 106 - das war dann doch ein Zimmer mit Doppelbett.

Durch das Hin- und her schloss ich eigentlich daraus, dass das Hotel vollkommen ausgebucht ist und nur noch diese zwei Zimmer frei wären. Doch weit gefehlt (jetzt kommt's): wie ich am nächsten Morgen feststellte, waren ich und noch eine weitere Frau die einzigen Gäste! - Wir saßen zusammen in einem riesigen, ansonsten vollkommen leeren Speisesaal. Es gab einen großen Parkplatz, auf dem kein Auto stand, es gab eine große Terrasse mit vielen Sitzplätzen, auf der niemand saß - und es gab ein Beauty Center im Kellergeschoss, das schon längere Zeit keine Gäste mehr gesehen hat...

Alles ausgerichtet auf viele Gäste, aber kein Mensch da. Und das mitten in der Hauptpreisezeit Mitte August. Sehr skuril.

Mich erinnerte es ein bisschen an Psycho... Zum Glück gab es nur eine Tochter - keinen Sohn! ;-)



Dienstag, 9. August 2011

Roncegno Terme

Kleiner Kurort mit vielleicht 3.000 Einwohnern, aber mindestens fünf Hotels! Es gibt eine große Klinik oder Sanatorium oder ähnliches.

Der Ort ist extrem ruhig - es fehlen einfach die jungen Leute - ich bin so ziemlich der jüngste und senke den Schnitt.

Die alten Leute essen in ihren Hotels. Dementsprechend gibt es auch kaum Restaurants. Für mich gibt es heute Abendessen aus dem Supermarkt.

Das wird heute ein ruhiger Abend.

Rastplatz zum Mittagessen (und beten)



Abkühlung im Lago di Caldonazzo



Trento - Roncegno Terme. 57 km.


Das war eine wahnsinnig schöne Tagesetappe - vielleicht die schönste der Tour!

Heute Nacht gab es ein Gewitter, heute morgen war dann die ganze schwüle Luft verzogen und es gab einen Morgen, wie er schöner nicht sein konnte: ganz klarer blauer Himmel und frische Luft, strahlender Sonnenschein, keine Wolke am Himmel - einfach phantastisch! Und so blieb es den ganzen Tag!

Heute habe ich das Tal der Etsch verlassen und es ging in die Berge ins Val Sugana - ein herrliches Tal, das sich östlich von Trient erstreckt.

Am Morgen ging es erstmal kräftig bergauf: auf kleinsten Straßen über Bergdörfer, mit einem herrlichen Blick zurück auf Trient und das Tal der Etsch und dann später auf das nun vor mir liegende Val Sugana und die Brenta, die mich heute und morgen begleiten wird.

Die Straßen waren teilweise nur für Fahrzeuge mit max. 1,80 m Breite zugelassen - mit meinen Packtaschen war das schon langsam grenzwertig...

Zu Beginn des Tals liegt der Lago di Caldonazzo - ein sehr schöner See - bei diesem Wetter habe ich die Gelegenheit zur Abkühlung genutzt :-)

Weiter ging es dann durch das Tal der Brenta, mit herrlichen Ausblicken auf die Berge, das Tal und den Fluss.

Ich frage mich, warum alle Welt immer an den Gardasee fährt? - hier ist es doch viel schöner!

Montag, 8. August 2011

Mittagessen



Trient

Jetzt bin ich wirklich in Italien! - Die Sonne scheint, 30 Grad, strahlend blauer Himmel, kein Waschküchenwetter mehr, sondern durch ziemlich viel Wind sehr angenehm!

Ich habe die Sprachgrenze hinter mir gelassen: Südtirol ist passé - jetzt bin ich im Trentino. Überall 'richtige' Italiener um mich rum ;-) Hier wird nicht mehr deutsch gesprochen und es gibt auch keine Topfenstrudel oder Spinatknödel mehr.

Die Innenstadt von Trient ist sehr schön: überschaubare Innenstadt, großer Dom, große Burg, vergleichsweise wenig Touristen - deshalb auch keine negativen Auswirkungen: man kann problemlos am Domplatz einen Kaffee trinken, ohne abgezockt zu werden und wird sogar noch freundlich bedient. Echt sympathisch!

Bozen - Trient. 70 km.

Heute war ein wunderschöner Tag - obwohl er gar nicht so gut begann...

Ich hatte bei offenem Fenster geschlafen, weil es total heiß im Zimmer war. Am Morgen hat sich das nicht geändert: um 7 Uhr waren es draußen schon 23 Grad. Waschküchenwetter.

Als ich dann ausgecheckt hatte und losfahren wollte, fing es an zu regnen. Zunächst nur leicht, so dass man noch ganz gut weiterfahren konnte und die Verdunstung vom Fahrtwind und die neu hinzukommenden Regentropfen sich einigermaßen ausglichen.

Eine Zeitlang fuhr ich auf einem schmalen Damm, rechts die Etsch, links die Eisack. Beide Flüsse so kalt gegenüber der Außentemperatur, so dass Nebel über den Flüssen lag und es aussah, als wäre es umgekehrt und die Flüsse kochend heiß. Dazu die Berge um Hintergrund, die kaum zu sehen waren, weil Wolken, Nebel und Regel nahtlos ineinander übergingen und den Horizont verschwinden ließen. Hätte man ein Bild gemacht und es jemandem gezeigt, so hätte er sicher gesagt: "... das ist im November!"

Es hörte mal wieder auf zu regnen, dann fing es mal wieder an. Ich musste mich unterstellen und suchte unter einer Straßenbrücke Zuflucht.

Nach einer Viertelstunde hörte es fast auf und ich beschloss, weiterzufahren. Doch dann kam ich erst in einen richtigen Regenschauer: innerhalb weniger Minuten waren meine Jeans und mein Hemd tratschnass - und keine Möglichkeit zum unterstellen...

Ich die Regenklamotten angezogen und weiter. Doch nach einigen Minuten hörte es auch wieder auf - das Wetter wurde fortan mit jedem km besser und besser, und nach vielleicht einer guten halben Stunde konnte ich die Sommerklamotten anziehen: es wurde ein richtig schöner Sommertag mit Temperaturen bis 30 Grad.

Die Landschaft hat sich im Lauf der Tour ziemlich verändert: während die ganzen Tage noch bewaldete, leicht ansteigende Hänge das Bild beherrschten, sind es nun schroffe Felswände aus weißem Gestein, die sich rechts und links der Etsch auftürmen.

Ich fahre wieder auf dem Damm der Etsch und habe dadurch tolle Ausblicke in die Landschaft in die Berge.

Heute ist ein toller Sommertag. So muss es sein! So macht es richtig Spaß!

Sonntag, 7. August 2011

So: das Abendessen steht auf dem Tisch!



Bozen

Die erste Großstadt in Südtirol.

Je weiter ich komme, umso italienischer wird es. Gab es bei meiner ersten Übernachtung in Prad noch einen Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung von 85 %, so waren es in Meran noch 50 %, und hier in Bozen sind es noch 25 % - und der Unterschied ist deutlich zu spüren, was die Leute, die Sprache auf Schildern und auf der Straße, und das Aussehen der Leute angeht. Morgen in Trient ist es dann ganz vorbei. Aber so kann ich mich langsam auf Italienisch vorbereiten ;-)

Deutschsprachige Südtiroler versteht man übrigens so gut wie gar nicht, wenn Sie Dialekt sprechen.

Der Kaffee ist übrigens schon von Anfang an in Südtirol besser, als in Tirol. Heute habe ich tatsächlich ein Cafe gesehen, das "Kaffee nach deutscher Art" anbot - es hatte allerdings dauerhaft geschlossen. Warum wohl...

Erdpyramiden: ein interessantes Phänomen der Natur

Von Bozen aus habe ich einen Ausflug mit der Seilbahn (angeblich der längsten der Welt) nach Soprabolzano, und dann mit einer Schmalspurbahn 7 km weiter nach Collalbo gemacht. Von dort waren es dann nochmal 30 min. zu Fuß und dann konnte man die auf dem Bild gezeigten Erdpyramiden sehen - ein unglaublich interessantes Phänomen der Natur!

Die Pyramiden sind bis 30 m hoch. Auf jedem dieser Pyramiden liegt oben ein richtig fetter Fels. Die restliche Erde um die Pyramiden herum wird weggespült, der Fels scheint die Pyramide vor Erosion zu schützen. Fällt er irgendwann, so verschwindet auch die Pyramide mit der Zeit. Es gibt also keine Pyramiden ohne Fels oben drauf.

Total interessant! Habe ich vorher noch nie gesehen!